Hallo, Ihr da draußen,

 
 
ich wollte mich doch mal wieder melden und Euch von mir berichten.
 
Tja, ich bin ja nun seit 3 Monaten in meiner Pflegestelle und hab mich doch ganz positiv entwickelt.
 
Aus mir ist in der kurzen Zeit ein richtig lieber Schmusebär geworden. Mein anfangs doch recht aufdringliches Verhalten habe ich (fast) ganz abgelegt. Man kann sagen, ich bin zur Ruhe gekommen. Pflegefrauchen und -herrchen sind ganz stolz auf mich. Im Haus verhalte ich mich jetzt ganz brav, da bemerkt man mich kaum, außer wenn der Balu mich vorschickt um Pflegefrauchen zu erinnern, dass es doch langsam Fütterungszeit ist. Dann stelle ich mich neben sie und trällere ihr ein Lied ins Ohr (das Singen habe ich übrigens auch von Balu gelernt). Aber die lässt mich immer erst aussingen und steht erst auf, wenn ich wieder ruhig bin.
 
Mittlerweile bin ich ja auch genau so ein "Fresssack" geworden wie die Anderen hier.
 
Wenn es Futter gibt, wird es sofort aufgefressen. Beim Fressen möchte ich allerdings meine Ruhe haben, da dulde ich es auch nicht, wenn mein Kumpel Balu mich stört. Sobald ich aber aufgefuttert habe, darf er meinen Napf abwaschen (macht er auch richtig gründlich).
Ich hab mir dann mal gedacht, ich könnte dem Pflegefrauchen ja auch mal beim Abwasch helfen und wollte in der Küche schon mal die Teller vom Mittagessen spülen... (mit 78 cm Schulterhöhe ja kein Problem für mich), aber da hat die mit mir geschimpft und mir dann aber erklärt, dass ich das nicht brauche, weil wir ja einen Geschirrspüler haben.
 
Tja, so sind die Frauen, nie kann man(n) es ihnen recht machen. Aber ansonsten gehe ich nicht einfach an das Menschenessen ran, egal was so rumsteht aber... Ausnahmen bestätigen ja bekanntlich die Regel.
 
Eines gibt es doch, wo ich mich nicht beherrschen kann, FRUCHTGUMMIS. Die sollte man nicht über Nacht auf dem Tisch liegen lassen, da kann ich nicht widerstehen (Haribo, macht Menschen froh und uns Hunde ebenso la la la la la la la ). Na ja, mir sei es verziehen.
 
Pflegefrauchen ist weiterhin ganz schön streng mit mir und lässt sich nicht so leicht um die Pfoten wickeln. Auch wenn ich meinen ganzen Charme einsetze, nützt mir das meist nicht viel. Ich hab's ausprobiert... aber was gestern verboten war, ist auch heute verboten und wird auch morgen verboten sein...& was gestern erlaubt war, ist auch heute erlaubt und wird auch morgen erlaubt sein.
 
Diese Konsequenz brauche ich, das gibt mir Sicherheit und somit weiß ich, wo ich stehe.
 
Solche Menschen wünsche ich mir im neuen Zuhause. Die werden dann in mir den besten Hund der Welt haben.
 
Aber so ganz habe ich meine Vergangenheit noch nicht vergessen.
Und das hat mein doch so geliebtes Pflegeherrchen vor kurzem zu spüren bekommen. Ich habe ihn (zu meiner Schande) gebissen. Aber er hat sofort gesagt, dass es seine eigene Schuld war.
 
Ich hab im Garten gefrorene Sandklumpen gefuttert und er stand dicht bei mir und wollte es mir verbieten, weil ich doch ko... muss, wenn ich so kaltes Zeug fresse... da hab ich zugelangt. Hat mir sofort leid getan und bin mit eingezogenem Schwanz ins nächste Gebüsch verschwunden... aber es war passiert.
 
Normalerweise höre ich nämlich sehr gut auf Kommando "AUS", aber er stand zu dicht und ich dachte... er will es mir einfach wegnehmen. Und das geht bei mir nun mal noch nicht so einfach. Dazu hatte ich doch zu lange ein anderes Leben.
 
Das Pflegeherrchen hat zwar an den Händen geblutet, aber zum Arzt musste er nicht.
Der Balu war aber trotzdem ziemlich sauer auf mich und hat dann versucht mich von Pflegefrauchen und Herrchen wegzudrängen, 2 Tage später hab' ich dann von ihm ne ordentliche Abreibung bekommen.

Aber danach waren wir wieder die besten Kumpel (solange ich nicht an seine Missy rangehe). Dabei braucht der doch gar keine Angst mehr zu haben, denn ich bin ja zwischenzeitlich auch "ENTMANNT" worden. Hat ganz schön weh getan. Aber da hat der Balu zu mir gehalten und neben mir gelegen bis ich wieder aus der Narkose erwacht war. Na ja mittlerweile ist ja alles gut verheilt und Schnee von gestern.

 
So ich sag Euch jetzt mal wie ich mir mein zukünftiges Zuhause wünsche.
 
Ich möchte:
Menschen mit Großhund-Erfahrung
Menschen, die mir Regeln geben, an denen ich mich orientieren kann.
Menschen, die viel Zeit für mich haben (obwohl ich problemlos ca. 6 Stunden alleine bleiben kann)
Menschen, die mich als Familienmitglied sehen und mich nicht in einen Zwinger sperren.
Menschen, die viel mit mir spazieren gehen und soziale Kontakte zu Artgenossen ermöglichen.
Menschen, die die Körpersprache eines Hundes lesen können.
Menschen, die mich nicht wieder weggeben, wenn es mal schwierig wird, sondern mit mir arbeiten.
Menschen, die keine Angst vor intelligenten Hunden haben und das zu schätzen wissen.
Menschen, die mich einfach lieben.
Und ich glaube, dass sich das eigentlich jeder Hund wünscht.
 
So, jetzt aber genug . Noch könnte ich Euer Hund werden... also zögert nicht länger und ruft die Christa an oder meine Pflegestelle 033055 - 22181 bzw. gleiche Vorwahl 489 133, denn meine Pflegestelle darf mit entscheiden, wo ich in Zukunft lebe.
 
Euer Jonny