Hallo Ihr da draußen,
 
Einige von Euch kennen mich vielleicht noch, aber ich fange mal ganz von vorne an, Euch meine Geschichte zu erzählen:
 
Mein 1. Besitzer schaffte mich als Welpe an, denn ich war ja so ein süßes Kerlchen. Bald darauf nahm er sich aber keine Zeit mehr für mich. Er ging arbeiten und danach meist zu seiner Freundin. Ich blieb von nun an meist mir selbst überlassen. Wenn ich mich lösen musste, "durfte" ich den Balkon benutzen. Es gab weder regelmäßige Gassigänge, noch Futter.
 
Nach endlos langen 4 Jahren gab er mich dann im Tierheim ab. Von nun an sollte alles besser werden und schon nach 8 Tagen durfte ich zu meinen neuen Menschen ziehen. Mein Leben änderte sich schlagartig. Menschen, die Zeit für mich hatten, die mit mir spielten und spazieren gingen, regelmäßiges Futter, streichelnde und kraulende Hände, ich war der glücklichste Hund der Welt und ich liebte meine Menschen dafür. Ich entdeckte die Welt wie ein Welpe.
 
Immer wieder erzählten sie, was für ein toller und lieber Hund ich bin und wie froh sie über mich wären. Aber irgendwie ging das alles zu schnell für mich. Die Reizüberflutung überforderte mich und meine Menschen merkten das nicht. Ich wurde etwas übermütig, aber so richtig erklärte mir Keiner was ich darf und was nicht. Ja mein Gott, woher sollte ich es denn wissen? Christa war jeden Tag per Telefon parat und dachte, alles ist gut.
 
Dann kam Frauchen auf die Idee, einen Zweithund anzuschaffen, weil ich so gerne mit anderen Hunden spielte. Die Kama sollte es sein, weil sie auch so ne arme Socke war. Gesagt, getan. Kama kam und Frauchen war auf einmal ganz anders. Sie mochte die Kama nicht so dolle und ich war ganz verunsichert. So kannte ich doch mein geliebtes Frauchen nicht. Ich nahm "Reißaus" vor Kama, sie war eine ausgediente Zuchthündin aus Polen. Die ganze Stimmung war auf einmal so angespannt, da bin ich lieber in den Garten raus, um etwas Dampf abzulassen. Und dann lag da auf einmal diese blöde Plastiktüte, ich fand die spannend und wollte mal checken, ob man damit spielen kann, aber Frauchen kam und wollte sie mir wegnehmen. Ob ich wirklich aus Frust zugebissen habe oder nur spielerisch in die Tüte beißen wollte und aus Versehen ihren Arm erwischt habe, kann ich Euch nicht sagen, ich weiß nur Eins, ich bin ein lieber Hund und wenn ich so was gemacht haben soll, dann nur wegen der angespannten Situation. Frauchen wurde verletzt. Leider bekam Christa keine Auskunft über die Schwere der Verletzung.
 
Auf einmal war wieder alles anders. Jetzt war ich nicht mehr der liebe Hundejunge. Ganz schnell wurde für Kama (die gar nichts gemacht hatte) und mich, das Todesurteil gefällt. Wir sollten, wenn wir nicht sofort abgeholt werden, eingeschläfert werden. Der Termin beim Tierarzt war schon gemacht. Christa hat sofort Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt , damit wir leben dürfen.
 
Im Nachhinein wurde Christa von Herrchen gesagt, dass ich wohl das dritte Mal quer geschossen habe, aber mein Frauchen dies nicht mitteilen wollte..., schade drum. Die Aussage meines Herrchens, hätte ich das Ganze miterlebt, hätte ich ihn (Jonny) mit dem Spaten erschlagen, versetzte Christa an den Rand des Wahnsinns.
 
Herrchen und Frauchen haben dann 1 Tag später (nachdem Christa gedroht hat, meine Familie und den TA anzuzeigen) die Kama und mich im Tierheim abgegeben, das uns netterweise ganz schnell Obdach geboten hat. Ich verstand die Welt nicht mehr. Warum geht denn mein geliebtes Frauchen und Herrchen ohne mich und Kama wieder weg? Ich hab geweint. Hab ja nicht gewusst, dass da draußen so viele Menschen vor Erleichterung aufgeatmet haben, denn jetzt waren wir gerettet.
 
Die Kama hatte ganz dolle Glück und wurde am 5. Tag von der Tierheimleiterin adoptiert (ganz lieben Dank dafür) und ich wurde von der Maria abgeholt. Die hat mich sofort lieb gehabt und hat gesagt, dass ich ein ganz lieber Bub bin. Hab sie dafür mal ordentlich abgeknutscht, denn das tat meiner Seele so gut. Nach einer langen Autofahrt waren wir dann bei Maria Zuhause und ich durfte mich ausruhen und den Gerald kennen lernen. Ein paar Stunden später fuhr der Gerald dann mit mir weiter zu meiner jetzigen Pflegestelle nach Brandenburg. Die Fahrt war sehr lang und wir haben dann Beide erst mal auf einem Rastplatz geschlafen. Ich hab mich ganz eng an Gerald gekuschelt und der hat auch gesagt, dass ich ein ganz toller Hund bin.
 

Hier angekommen sollte ich ja in eine extra Station ziehen, weil hier noch andere Hunde wohnen und der Balu ja eigentlich keine anderen Rüden mag. Aber mich, mich mag der doch, weil ich nämlich ein ganz lieber und toller Hund bin.

 

 

Hier habe ich jetzt Zeit zu lernen, was die Menschen so von einem "guten" Hund erwarten. Nicht der Quatsch mit den Grundkommandos, die kenne ich ja schon. Aber eben so Sachen, dass ein Hund die Menschen nicht anspringen soll und dass Hund nicht in die Hände knabbern soll und dass Hund die Menschen nicht vor lauter Übermut anrempeln darf und dass Hund nicht im Weg rumliegen soll u.s.w.

 
Na, wenn das alles ist was die Menschen von mir wollen (sind ganz schön aus Zucker die Zweibeiner) hab ich alles schon in nur einer Woche kapiert und auf meiner Festplatte abgespeichert. Pflegefrauchen und Herrchen sagen nämlich auch, dass ich ein ganz "Schlauer" bin.
 
 

 

Manchmal werde ich aber noch traurig und denke an mein letztes Zuhause (immerhin war ich da 3,5 Monate) und wenn das Pflegefrauchen das sieht, dann setzt sie sich zu mir und nimmt meinen Kopf auf den Schoß und erzählt mir eine Geschichte.

 
Irgendwo da draußen gibt es Menschen, die mich wollen, die mich unbedingt wollen und die nur mich wollen. Diese Menschen werden mit mir durch dick und dünn gehen und mich nicht wegschmeißen, nur weil ich einmal was falsch gemacht habe. Für diese Menschen werde ich dann der allerschönste, der allerbeste und der allerallerliebste Hund auf der ganzen Welt sein. Dann seufze ich ganz tief und schließ meine Augen, denn auf diese Menschen werde ich jetzt warten.
 
Bis bald Euer Jonny

03.12.2008